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Region Duisburg - Zeynep Babadagi-Hardt

Zeynep Babadagi-Hardt

Die Pflegezentrale – Pflege mit Kultur

„Wann kommst Du endlich an?“, wird Zeynep Babadagi-Hardt von ihren Freunden oft gefragt. Ihre Antwort: „Ich kann in meinem Beruf nie ankommen, weil die Menschen so unterschiedlich sind.“ In der Pflegezentrale von Zeynep Babadagi-Hardt soll jeder die individuelle Pflege erhalten, die er braucht. Dieser Gedanke war Grundstein und Motivation für die Gründung ihres eigenen Unternehmens im Juni 2005. Die gebürtige Türkin richtet ihr Augenmerk dabei insbesondere auf Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Ihre Pflegezentrale bietet alle Leistungen in der Kranken- und Altenpflege, Behandlungspflege und Wundversorgung auf Wunsch der Patienten auch auf Türkisch und in weiteren Sprachen an und beachtet dabei die kulturellen Besonderheiten der Migranten. „Mir war klar, wenn ich gründe, dann vor dem Hintergrund meiner Herkunft“, erklärt die gelernte Krankenschwester. Die Unternehmerin und ihre Mitarbeiterinnen begleiten die Patienten zum Arzt, übersetzen und vermitteln zwischen Arzt und Patient. Auch das Verhalten wird den türkischen Traditionen angepasst: „Ältere Patienten nenne ich ‚Onkel’ und ‚Tante’, ich ziehe meine Schuhe aus und begrüße sie mit Handkuss“, berichtet Zeynep Babadagi-Hardt aus ihrem Arbeitsalltag.

Geradlinig Richtung Gründung

Ihre Geschäftsidee ist ein voller Erfolg: „Wir haben 2005 mit drei Mitarbeiterinnen angefangen. Heute pflegen 25 Mitarbeiterinnen 185 Patienten zu Hause im Rahmen einer ambulanten Pflege. Und ich kenne jeden persönlich“, berichtet die heute 37-Jährige nicht ohne Stolz. Dass ihr Weg so geradlinig Richtung Unternehmensgründung verlief, hat sie allerdings weniger den äußeren Umständen als vielmehr ihrer Durchsetzungskraft zu verdanken. Zeynep Babadagi-Hardt zieht 1981, im Alter von sieben Jahren, mit ihrer Mutter und ihren fünf Geschwistern von Anatolien ins Ruhrgebiet. Ihr Vater arbeitet bei der Deutschen Bahn und war bereits einige Jahre zuvor im Rahmen des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens nach Deutschland gekommen. Als Einziges der sechs Kinder besucht Zeynep Babadagi-Hardt die Realschule und macht das Fachabitur auf dem Gymnasium in Bottrop. „Meine Mutter war Analphabetin, aber sehr tough und für sie war klar: ,Meine Kinder sollen etwas lernen’“, beschreibt Babadagi-Hardt ihre Familiensituation. Nach dem Fachabitur folgt eine Ausbildung zur Krankenschwester im Evangelischen Krankenhaus in Oberhausen. Sie arbeitet auf der Intensivstation, ist Praxisanleiterin im Herzzentrum in Duisburg und übernimmt im Anschluss die Leitung einer Pflegepraxis in Duisburg. Nachdem sie ihren zweiten Sohn zur Welt gebracht hat und nach zweieinhalb Jahren Pause wieder in ihren Beruf einsteigen will, gerät ihre Karriere ins Stocken: „Mit zwei Kindern und als Türkin sei ich als Führungsperson für die deutschen Mitarbeiter nicht mehr geeignet“, erinnert sich Zeynep Babadagi-Hardt an die Aussage ihres damaligen Chefs.

Gut beraten Hindernisse meistern

Doch was zunächst nach einem Karriereknick aussieht, ist schließlich der erfolgreiche Start in die Selbstständigkeit. Zeynep Babadagi-Hardt verklagt ihren Chef auf Wiedereinstellung und erhält eine Abfindung über 5.000 Euro. Mit ihrer Geschäftsidee und dem Geld aus der Abfindung als Grundlage macht sie sich auf den Weg zum STARTERCENTER NRW Niederrhein bei der Niederrheinischen IHK in Duisburg. Der dort zuständige Berater Winfried Ballmann erkennt die Erfolgsaussichten ihrer Idee, eine ambulante Pflege mit interkultureller Ausrichtung einzurichten, sofort. Gemeinsam entwickeln sie einen Liquiditätsplan und eine Rentabilitätsvorschau über drei Jahre. Die Zahlen stimmen und so werden der Jungunternehmerin 10.000 Euro Startkapital aus der „GO! Gründungsprämie NRW“, einem Förderprogramm, mit dem das Land NRW von 2003 bis 2005 Existenzgründungen unterstützt hat, gewährt. „Herr Ballmann war eine große Hilfe. Ich bin Krankenschwester und keine Betriebswirtin und die Auflagen und Bestimmungen sind bei einer Gründung echte Hürden“, erklärt die Jungunternehmerin.

Weitblick dank Weiterbildung

Hindernisse, die Zeynep Babadagi-Hardt problemlos gemeistert hat. 2010 erwirtschaftete die Pflegezentrale einen Umsatz von 860.000 Euro, 2011 soll die Millionengrenze erreicht werden. Dabei gehört auch die ständige Weiterbildung zu ihrem Erfolgsrezept. Nach zahlreichen Zusatzqualifikationen in ihrem Spezialgebiet Wundheilung absolviert die erfolgreiche Unternehmerin aktuell das Masterstudium „Wound Care Management“ an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Und auch für die Weiterbildung anderer sorgt die Mutter von zwei Söhnen. Im Juni 2011 gründete sie eine Pflegeakademie: „Ich bilde Pflegefachpersonal zu Wundexperten aus und betreibe in Duisburg und Umgebung den einzigen Pflegedienst mit einer angeschlossenen Akademie.“ Für die Zukunft strebt die umtriebige Unternehmerin einen weiteren Schritt in der eigenen Ausbildung an: „Nach dem Master möchte ich den Doktortitel erlangen. Ich will in meinem Fachbereich, der Wundversorgung, einfach auf Augenhöhe mit den Ärzten sein.“ Zeynep Babadagi-Hardt kommt eben nie an.

Nachgefragt bei der Gründerin Zeynep Babadagi-Hardt

Was hat Sie daran gereizt, Ihr eigenes Unternehmen zu gründen?

Ich wollte es besser machen als meine bisherigen Vorgesetzten. In meinem Unternehmen gibt der Mensch die Richtung an, sowohl in Bezug auf die Mitarbeiter als auch in Bezug auf meine Kunden. Jeder Patient soll die Pflege bekommen, die er braucht – eine individuelle Pflege. Und es motiviert mich, wenn ich pflegebedürftige Menschen wieder aufbauen kann und zu möglichst hoher Eigenständigkeit verhelfe.

Welche Vorteile sehen Sie in der Selbstständigkeit?

Ich bin wesentlich flexibler. Mein Arbeitstag startet um 5.30 Uhr und geht auch mal bis 20 Uhr, aber ich kann auch schon mal meine Söhne mit zum Patienten nehmen. Ich habe die Freiheit, mal später zu kommen und früher zu gehen. Das eröffnet mir auch die Möglichkeit mich weiterzubilden. Die Chance nutze ich oft und gerne. Dass das immer so gut klappt, verdanke ich vor allem der Unterstützung meiner Mitarbeiter und meiner Familie.

Was sollte ein Gründer Ihrer Meinung nach mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Ein großes Maß an Flexibilität und Freude an der Tätigkeit. Man muss auch in Stresssituationen ruhig bleiben und sich überlegen, was noch besser gemacht werden könnte. Ich habe in den vergangenen sechs Jahren vor allem gelernt, an hektischen Tagen nicht cholerisch zu reagieren. Fehler dienen mir dazu, mich zu verbessern. Und ich erkenne mittlerweile sehr gut Veränderungen an den Mitarbeitern und kann Probleme direkt ansprechen.

Was waren die größten Hürden auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Ich musste meine Kompetenz vor allem bei den Ärzten beweisen. Ohne Doktor-Titel ist es sehr wichtig, sein Können unter Beweis zu stellen, um die nötige Anerkennung und Akzeptanz zu bekommen, dass die Vorsorge eines Menschen multiprofessionell abläuft. Daneben sind die vielen Formalitäten, Auflagen und Bestimmungen, die bei der Gründung einer Pflegezentrale beachtet werden müssen, echte Hürden. Ohne die Hilfe von Herrn Ballmann vom STARTERCENTER NRW Niederrhein bei der Niederrheinischen IHK in Duisburg hätte ich die Gründung nicht so leicht bewältigt.